Ich gebe Bücher – Ich bekomme Bücher

Seit fünf Jahren praktiziere ich das Diamantschneider-System und es hat meine Welt verändert. Aber am Anfang hatte ich so meine Zweifel: „Man erntet, was man gesät hat. Na, wenn das so einfach ist, warum macht’s dann nicht jeder?“

Ein Buch bringt einen „kleinen Urlaub“

Weil ich nur das glaube, was ich selber ausprobiert habe, habe ich damals beschlossen, den ultimativen Samen-Gärtner-Test zu machen. Ausgesucht habe ich mir dafür das, was mich tagtäglich begleitet: Bücher.

Wo immer ich unterwegs war und ein Buch ausgelesen hatte, habe ich es liegenlassen: In der Bahn, im Flugzeug, im Bus, im Hotel, im Restaurant. Manchmal habe ich sogar einen Sticker draufgepappt (wenn ich grad einen zur Hand hatte): Suche neuen Leser.

Ich habe mir vorgestellt, wie jemand müde in die Bahn einsteigt und da liegt ein Buch auf dem Sitzplatz. Ich habe mir ausgemalt, wie diese Person das Buch zur Hand nimmt, anfängt zu lesen und für ein paar Momente einsteigt in die Welt des Buches. Und dann habe ich mich in Gedanken gefreut über diesen kleinen inneren Urlaub, auf den das Buch seinen neuen Leser mitnimmt, und über das Lächeln auf dem Gesicht dieser Person.

Ich bekomme was ich gebe: viele Bücher

Das hab ich ca. drei Monate ganz bewusst gemacht. Dann bin ich eines Tages am Ostbahnhof in die S-Bahn nach Hause gestiegen. Die S-Bahn war fast leer und als ich mich setzen wollte, stand da auf den Sitzen eine riesige Plastiktüte.

Ich weiß noch, dass ich gedacht habe: „Wie kann man nur so dusselig sein, eine so große Tüte zu vergessen?“ und wie ich danach gegriffen habe, um schnell wieder aus der Bahn zu springen und die Tüte ins Fundbüro zu schleppen. Aber vorher habe ich schnell noch einen Blick auf den Inhalt geworfen:

Die Tüte war voller Bücher – 44, wie ich später nachgezählt habe.

Obendrauf lag ein handschriftlicher Zettel: Zum Mitnehmen.

Und es waren lauter Bücher, wie ich sie gerne lese.

Für mich war’s das. Mir war schlagartig klar, dass so die Welt funktioniert. Seitdem pflanze ich alles: Neue Aufträge, schöne Behausungen, köstliches Essen, Gesundheit und vor allem Lehrer, die mir mehr von diesen großartigen Dingen beibringen.

Meine Erkenntnis aus dem Prozess: Es reicht nicht, zu wissen. Man muss es auch anwenden (- ok, das Zitat ist nicht von mir sondern vom alten Herrn Goethe, aber es ist trotzdem sowas von wahr….). Und der erste Schritt zur Anwendung ist das Ausprobieren.

Ich kann es nur empfehlen. Und danach bloß nicht die Kaffeemeditation vergessen: Es ist so wichtig, sich über alles Gute zu freuen! Und das Freuen macht die Samen stark!

Und übrigens – die obige Frage stelle ich mir immer noch: „Es ist so einfach. Warum macht es nicht jeder?“

Photo-Credit (Beitragsbild): © by DariusSankowski | pixabay
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